PREPARE: Weltweit schneller reagieren – dank europäischer Vernetzung

Die Einführung von medizinischen Tests verlangt große Vorsicht zum Schutz der Gesundheit. Viele Kontrollen und Prüfungen sind notwendig. Die Arbeit des europäischen Gesundheits-Netzwerks PREPARE spart Zeit an der richtigen Stelle: bei der Bürokratie.

 Ein Team von mit weißen Hemden bekleideten Forschenden begutachtet eine Aufnahme von Zellen auf einem Tablet-Computer.

Neun bis zwölf Monate Vorbereitungszeit sind für eine klinische Studie die Regel. Das aus Mitteln des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU geförderte Projekt PREPARE startete 2014, um durch länderübergreifende Kooperationen diese Zeit auch in der europaweiten Zusammenarbeit stark zu reduzieren. PREPARE steht für Platform for European Preparedness Against (Re-) emerging Epidemics. „Vor allem geht es darum, die regulatorischen Prozesse zu beschleunigen und geschultes Personal und Werkzeuge vorzuhalten“, erläutert Dieter Maier, Leiter der Abteilung Wissenschaftliche Zusammenarbeit bei der Biomax Informatics AG. Das Softwareunternehmen gehört zu den 31 Partnern des PREPARE-Netzwerkes, zu dem Forschungseinrichtungen, Firmen, Universitäten und Kliniken wie beispielsweise die Berliner Charité zählen.

Abläufe standardisieren, Arbeit abnehmen

Gemeinsam wurden Standardprozesse entwickelt, zum Beispiel für die Einholung der Zustimmung der verschiedenen Ethikkommissionen in den EU-Mitgliedstaaten. Denn die unterschiedlichen formalen Prozesse in den EU-Staaten sind für die länderübergreifende Forschung und Entwicklung von Medikamenten eine große Hürde. Und genau da setzt PREPARE an, in dem es Abläufe standardisiert oder, wo dies nicht möglich ist, vorbereitet und Arbeit abnimmt. „Wir sorgen dafür, dass die Partner alle nötigen Werkzeuge schnell zur Hand haben“, sagt Dieter Maier. Auch geschultes Personal für die Durchführung der Studien stellt PREPARE seinen Mitgliedinstitutionen zur Verfügung. Erstmals getestet wurden die so beschleunigten Verfahren während der Zikavirus-Epidemie, die ab 2015 insbesondere in Afrika und Südamerika zigtausende Erkrankungen verursachte. „Wir haben die Zika-Epidemie als Testfall genutzt und konnten so unsere Workflows und Verfahren im Alltagsbetrieb nutzen – und das gleich im internationalen Einsatz mit Beteiligung von Personen und Institutionen aus der ganzen Welt“, berichtet Maier.

Christian Drosten und die WHO sind ebenfalls PREPARE-Partner

 Pressekonferenz mit Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Professor Christian Drosten innerhalb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Die Erfahrungen sind in die Weiterentwicklung geflossen – mit dem großen Erfolg, dass PREPARE in der Corona-Pandemie sehr schnell handeln und so einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten konnte. „Das ganze Netzwerk war vorbereitet, im Falle einer Pandemie schnell klinische Studien durchzuführen“, so Maier. Und wenn vom „ganzen Netzwerk“ die Rede ist, dann sind das nicht nur die 31 Partner. „Viele Partner sind selbst Netzwerke. Deshalb gehören zu PREPARE unter anderem 600 Primärversorgungseinrichtungen wie Ambulanzzentren, 700 Kliniken und 300 Intensivstationen“, zählt Maier auf. Im Fall von Covid-19 war das PREPARE-Netzwerk in der Lage, innerhalb von nur zwei Monaten klinische Studien durchzuführen, die unter anderem den ersten Nachweis für eine funktionierende Behandlung für eine bestimmte Patientengruppe erbrachten (Dexamethasone in beatmeten Patienten) und die Grundlage für die Entwicklung eines der ersten sogenannten Corona-Tests durch den Virologen Christian Drosten an der Berliner Charité waren. Die Beteiligung renommierter Forschender und Institutionen ist laut Maier ein guter Beleg für den großen Erfolg des Netzwerks. Zu ihnen gehören unter anderem der Koordinator und führende Antibiotikaresistenzforscher Herman Goossens von der belgischen Universität Antwerpen und aus Deutschland die klinischen Forscher des Deutschen CAPNETZ Netzwerkes um Gernot Rohde, den Leiter des Schwerpunktes Pneumologie/Allergologie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ist PREPARE-Partner. 

Hervorzuheben beim europäischen Projekt PREPARE ist die freie Zugänglichkeit der im Netzwerk erlangten Erkenntnisse und Daten. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz hilft dabei, dass Mediziner und Forschende diese Daten weltweit noch effizienter zum Wohl der Patientinnen und Patienten nutzen können, beispielsweise auf der Website ailani.ai.

Schnelle Reaktionszeit bei Epidemien

Portrait-Aufnahme von Dieter Maier, Abteilungsleiter für Projekte und wissenschaftliche Zusammenarbeit bei der Biomax Informatics AG.

Dieter Maier leitet die Abteilung für Projekte und Wissenschaftliche Zusammenarbeit bei der Biomax Informatics AG, einem Mitglied des PREPARE-Netzwerkes.

Biomax Informatics AG

Dieter Maier beeindruckt beim Projekt vor allem das Engagement und der Wille zur Zusammenarbeit aller Beteiligten – länderübergreifend. Wobei die Herausforderung weniger in der Vielsprachigkeit liege, da alle sich auf Englisch verständigten, sondern eher bei den unterschiedlichen Begrifflichkeiten der Disziplinen. „Wenn Klinikerinnen und Kliniker von einem Modell sprechen, meinen sie oft eine Maus, Informatikerinnen und Informatiker dagegen haben ein Computermodell vor Augen. Am Ende wollen wir aber alle über das Gleiche sprechen, also braucht es viel Offenheit und Zugänglichkeit. Beides ist zum Glück bei allen Beteiligten gegeben.“ Die durch die Zusammenarbeit gewonnenen neuen Erkenntnisse würden allen helfen, schneller bei der eigentlichen Arbeit, der Krankheitsbekämpfung, voranzukommen. „Unser Anspruch ist es, das europäische Gesundheitswesen in die Lage zu versetzen, weltweit schnell auf Epidemien zu reagieren.“

PREPARE – Gesundheitsprojekt mit langem Atem

Mit sieben Jahren Laufzeit gehört PREPARE zu den am längsten geförderten Projekten des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation. Das Netzwerk besteht seit 2014 bis 2021. Beteiligt sind 31 Mitglieder aus elf Ländern sowie sechs internationale Gesellschaften

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