Medizinforschung: Gesundheit ist das höchste Gut

Impfstoffe? Krebstherapien? Gesundheit digital? Ja, aber sicher. Vernetzte Gesundheitsforschung im Europäischen Forschungsraum (EFR) sorgt für den medizinischen Fortschritt: effektive Prävention, neue Diagnosemethoden und Medikamente.

 Künstlerische Darstellung von roten Blutkörperchen in einem virtuellen Raum

Gesund bleiben, möglichst bis ins hohe Alter – dieser Wunsch steht in Umfragen zu Lebensqualität und Glück regelmäßig ganz oben. In einer vom demografischen Wandel geprägten Gesellschaft mit einem wachsenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung kommt der Gesundheitsforschung und dem medizinischen Fortschritt eine zentrale Bedeutung zu: Denn Gesundheit ist zunehmend abhängig von effektiver Prävention, fortschrittlichen Diagnosemethoden, Medikamenten und Therapien. Wie wichtig der medizinische Fortschritt ist, wird vor allem in Krisensituationen deutlich. Innerhalb weniger Wochen hat die Covid-19-Pandemie uns vor Augen geführt, dass die nationalen Gesundheitssysteme an ihre Grenzen gelangen können und neue Interventionen entwickelt werden müssen. Die Krise wurde als Weckruf verstanden, Europa auch im Bereich der Gesundheitssysteme widerstandsfähiger zu machen. Wer gemeinsame Kräfte bündelt, kann schneller Lösungen finden. Hinsichtlich des Covid-19-Virus heißt das, Impfstoffe und Therapien zu entwickeln, Präventivmaßnahmen zu organisieren und die Versorgung mit Intensivmedizin solidarisch sicherzustellen.

Viele gute Ideen im Umgang mit der Pandemie

 Eine mit Blut gefüllte Kapsel zur Bekämpfung von COVID-19 in den Händen eines Forschenden

Im Europäischen Forschungsraum wurde schnell auf die aktuellen Entwicklungen reagiert und ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen. Fast 460 Millionen Euro sind über spezifische Ausschreibungen zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten bereitgestellt worden, über die 103 Projekte gefördert werden konnten. Mit der ERAvsCorona-Plattform ist ein zentrales EU-weites Informationsangebot zu Fördermöglichkeiten für Forschende und Unternehmen entstanden. Ein eindrucksvolles Beispiel für die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Staat war auch der EUvsVirus-Hackathon. Mehr als 21.000 Interessierte aus 141 Ländern haben sich zusammengeschlossen und gemeinsam mit dem lernenden Staat viele gute Ideen zum Umgang mit der Pandemie entwickelt. In Zukunft gilt es, auch über Fragestellungen der Pandemiebewältigung hinaus Offenheit für innovative Herangehensweisen zu entwickeln.

Gemeinsame Ziele der EU-Forschungspolitik

 Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei einer Rede im Cancer Research Center Cologne Essen (CCCE).

Im Mittelpunkt der EU-Gesundheitspolitik stehen der Schutz und die Verbesserung der Gesundheit, der gleichberechtigte Zugang aller Europäerinnen und Europäer zu einer modernen und effizienten Gesundheitsversorgung sowie die Koordinierung der Maßnahmen gegen schwerwiegende Gesundheitsgefahren, die mehr als ein EU-Land bedrohen. Die Europäische Union unterstützt dabei die Gesundheitspolitik der Mitgliedstaaten und ergänzt deren Anstrengungen in Forschung und Innovation – denn gemeinsame Ziele etwa in der medizinischen Forschung vergrößern die Aussichten auf Erfolg. So hat zum Beispiel die Bundesregierung 2019 die Forschungsstrategie Nationale Dekade gegen Krebs ausgerufen und die EU wird im EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation ab 2021 eine großangelegte Mission gegen den Krebs starten. Durch gemeinsame europäische Anstrengungen in der Forschung und die Entwicklung neuer Ansätze in der Prävention und Versorgung sollen Neuerkrankungen möglichst vermieden werden. Es gilt, Krebs bei Betroffenen früher zu diagnostizieren und bestmöglich zu behandeln. Nicht zuletzt ist ein weiteres Anliegen, eine bessere Lebensqualität nach der Behandlung zu erreichen.

Digitalisierung verbessert die Gesundheitsversorgung

 Vier Forschende begutachten eine Computertomografie auf einem Wandmonitor.

Das EU-Rahmenprogramm fördert seit 30 Jahren die europäische Zusammenarbeit in der Gesundheitsforschung. In „Horizont Europa“ nehmen EU und Mitgliedstaaten neben der Forschung zu bestimmten Krankheiten auch den Einsatz neuer digitaler Technologien und die Gewährleistung innovativer, nachhaltiger und qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung in den Blick. Mit Mitteln aus dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation werden mehrere große europäische Forschungspartnerschaften gefördert. Zum Beispiel koordiniert zukünftig die Europäische Partnerschaft für personalisierte Medizin die Forschung nach Lösungen für den Sprung von der „Einheitstherapie“ zu einer Versorgung, die für bestimmte Patientengruppen und zum Teil sogar auf den Einzelnen zugeschnitten ist, also für maßgeschneiderte Prävention, Diagnose und Therapie. Auch bei der Produktentwicklung arbeiten europäische Partner zusammen. Hier ist Erfindergeist gefragt, zum Beispiel im EIT Health, einer Wissens- und Innovationsgemeinschaft des Europäischen Instituts für Technologie, die die eigene Forschung gezielt in Produkte umsetzt.

Gemeinsamer Raum für Gesundheitsdaten

Daten bieten enormes Potenzial für den medizinischen Fortschritt. Etwa für den Bereich der personalisierten Medizin und in der Erforschung seltener Erkrankungen liegt es auf der Hand, dass belastbare Forschungsergebnisse nur auf der Basis großer Datenmengen gewonnen werden können. Diese enorme Datenbasis wird am besten durch eine länderübergreifende Kooperation zusammengetragen. Umgesetzt wird das zum Beispiel in der 1+Millionen-Genome-Initiative. Getragen von Deutschland, 20 weiteren EU-Mitgliedstaaten und Norwegen, sollen bis 2022 Daten aus regionalen, nationalen und themenspezifischen internationalen Forschungsprojekten systematisch zusammengeführt und für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zugänglich gemacht werden – unter der strengen Beachtung von Datenschutz und Datensicherheit. Die Initiative ist Teil des Europäischen Gesundheitsdatenraums. Dieses Projekt wird im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 vorangetrieben und von der Europäischen Kommission politisch wie auch finanziell unterstützt. Damit Europas Gesundheitssysteme in Zukunft noch besser mit Krisen und dem demografischen Wandel umgehen können.

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