Starkes Engagement für europäische Forschung

Als großer Forschungs- und Innovationsstandort in der EU übernimmt Deutschland eine besondere Verantwortung dafür, Forschungsexzellenz strategisch in Europa auszubauen. Wie sieht der deutsche Beitrag aus, damit wir in Europa unsere Ziele erreichen?

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek mit zwei Forscherinnen im Labor

Gemeinsame europäische Forschung und Innovation tragen zur Zukunftsfähigkeit des europäischen Kontinents bei. Klimawandel, Pandemien und der nachhaltige Umgang mit begrenzen Ressourcen betreffen alle europäischen Staaten. Hier ist der Erfindergeist der Wissenschaft gefragt. Dass kein Land die großen Herausforderungen unserer Zeit allein lösen kann, zeigt aktuell die Bekämpfung der Coronavirus-Varianten. Mit einem leistungsfähigen Europäischen Forschungsraum (EFR) ist Europa fit für die Zukunft. Dort im Wissensraum zirkulieren nicht nur Ideen und Forschungsergebnisse über Grenzen hinweg, sondern Forschende selbst halten sich wortwörtlich im Raum unbegrenzter Möglichkeiten auf. So wird Spitzenforschung in Europa noch besser. Dank dieser Dynamik und Wissensmobilisierung im EFR beschleunigt sich der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Anspruch im EFR: handfeste Ergebnisse liefern

Deutschland hat den Europäischen Forschungsraum stets als „Motor für Europas Zukunftsfähigkeit“ begriffen, das wurde bereits 2014 in der nationalen Strategie zum EFR deutlich. Der Anspruch damals: konkrete Beiträge zur erfolgreichen Umsetzung einer europäischen Wohlstandsvision. Deshalb wurden klare Handlungsfelder und eindeutige Maßnahmen zur Erreichung der auf europäischer Ebene vereinbarten Ziele definiert. So sind bereits dichte Netzwerke unter Forschenden geknüpft worden, die gemeinschaftliches Arbeiten erlauben und in einem möglichst offenen europäischen Arbeitsmarkt Exzellenz befördern. Selbstverständlich wird diese „Roadmap“ ständig weiterentwickelt, denn der EFR reagiert dynamisch und flexibel auf aktuelle Entwicklungen, wie die Erfolge bei der Impfstoffentwicklung zeigen. Nicht nur im Kampf gegen das neuartige Coronavirus sind die Ansprüche an die Forschung hoch. Sie soll handfeste Ergebnisse liefern, Antworten finden auf die großen Fragen der Menschheit. Neben der aktuellen Bewältigung der Covid-19-Pandemie gilt es, auch grundsätzlich die globale Gesundheitsvorsorge zu verbessern, „grünes“ Wachstum zu beschleunigen und den digitalen Fortschritt auszubauen.

Deutsche Impulse für die Umsetzung des EFR

Mit dem EFR ist der forschungspolitische Rahmen dafür gesetzt, dass Forschende und Unternehmen in einem besonderen Wissens- und Innovationsökosystem zusammenarbeiten können. Dafür hat die EU-Kommission das EU-Rahmenprogramm „Horizont Europa“ aufgesetzt. Es gilt als das größte Förderprogramm für Forschung und Innovation weltweit. Darüber hinaus ist Deutschland als starker und international bestens vernetzter Wissenschaftsstandort dazu bereit, eine besondere Verantwortung im EFR zu tragen. Das wird deutlich durch das vom BMBF aufgelegte Förderprogramm „Die europäische Innovationsunion – Deutsche Impulse für den Europäischen Forschungsraum“. Über das eigentliche finanzielle Engagement im EFR hinaus, stellt das BMBF 40 Millionen Euro bereit, um den EFR weiterzuentwickeln und um Wissen zur Wirkung zu bringen. Mit den finanziellen Mitteln werden Kooperationen, der Austausch und Netzwerke gefördert. Unter anderem erhalten forschungsschwächere Staaten Unterstützung beim Ausbau ihrer Forschungssysteme, damit der europaweite Wissenstransfer reibungslos und solidarisch gelingt. So werden Kompetenzen und Strategiefähigkeit erweitert.

Transfer hat viele Dimensionen

Das Förderprogramm zielt darauf ab, Forschungsinstitutionen und Forschende in Deutschland im europäischen und weltweiten Wettbewerb zu stärken und den Transfer europäischer Forschung in Wirtschaft und Gesellschaft zu beschleunigen. Deshalb wird nicht nur in digitale Infrastruktur, technische Standards und den Aufbau von Wissenstransferstrukturen investiert, sondern nicht zuletzt auch in kommunikative Formate. Ein wichtiger Baustein ist auch die Wissenschaftskommunikation, die Projekte und Initiativen einer breiten Öffentlichkeit vorstellt. Der Transfer von Wissen hat viele Dimensionen: Forschungsergebnisse können stärker als bisher die Grundlage sein für politisches Handeln, sie können die Entwicklung innovativer Produkte beschleunigen oder sich auch unmittelbar auf die Lehrpläne von Hochschulen auswirken und somit nachhaltig wirken. Gleichzeitig profitiert die Wissenschaft aber auch von Anregungen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen. Das Förderprogramm wendet sich ausdrücklich nicht nur an Forschende, sondern ermuntert auch Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft dazu, neue Impulse für gemeinsame Initiativen einzubringen.

EFR schreibt Partizipation ganz groß

Außenansicht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Die Stärkung des Europäischen Forschungsraums war auch ein Schwerpunktthema der deutschen EU-Ratspräsidentschaft des BMBF im zweiten Halbjahr von 2020. Der EFR wird als wichtiger Teil eines widerstandsfähigen, souveränen und nachhaltigen Europas verstanden. Er basiert auf gemeinsamen Werten und stellt Forschende in den Fokus, um Exzellenz zum Nutzen der Gesellschaft zu erreichen. Das BMBF initiierte eine Konferenz mit allen EU-Forschungsministerinnen und -ministern, auf der mit der Bonner Erklärung zur Forschungsfreiheit das Wertefundament des EFR bestärkt wurde: „Die Verteidigung und der Schutz der Forschungsfreiheit sind die Basis für eine gute Zukunft Europas“, so Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Im Neuen Europäischen Forschungsraum wird zudem die Teilhabe ganz großgeschrieben. Bürgerinnen und Bürger werden noch enger in den Wissenschafts-Prozess einbezogen und auch die Stakeholder werden noch deutlicher ermuntert, sich an der politischen Ausgestaltung des EFR zu beteiligen. Je stärker sich die Forschungs- und Innovationspolitik mit anderen Politikbereichen vernetzen, umso effektiver werden gemeinsame Ziele erreicht. Bestes Beispiel für die Zusammenarbeit ist die europäische Initiative für „grünen“ Wasserstoff, die das Gelingen der Energiewende unterstützen soll. Diese Initiative verbessert nicht nur das Kima, sie stärkt gleichzeitig auch Europas wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität. Je ausgeprägter die Zusammenarbeit im Europäischen Forschungsraum ist, desto größer wird das Innovationspotenzial. Europäische Ziele, wie etwa den Umbau zu einer nachhaltigen EU-Wirtschaft („Green Deal“) zu verwirklichen, erreicht man nur durch entschlossenes Handeln über Länder- und Sektorengrenzen hinweg.