Europas Rückgrat in der Impfstoffforschung

Zum Glück sind bereits einige Impfstoffe gegen COVID-19 zugelassen. Aber weitere Impfstoffe sind nötig, um den weltweiten Bedarf zu decken. Dafür fördert die EU europaweit die Vernetzung von Impfstoff-Studienzentren mit rund zwölf Millionen Euro.

Nahaufnahme einer Spritze

Adobe Stock | weyo

Im Europäischen Forschungsraum arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Ländergrenzen hinweg zusammen, damit Innovationen schnell bei den Menschen ankommen. Mit Blick auf die Corona-Pandemie ist vor allem die Entwicklung von weiteren Impfstoffen wichtig, um Europa gegen die zunehmende Bedrohung durch Mutationen des neuartigen Coronavirus zu wappnen. Damit die für die Entwicklung von weiteren Impfstoffen erforderlichen Zulassungsstudien schneller realisiert werden können, fördert die Europäische Union im Rahmen des Forschungsförderprogramms „Horizon 2020“ die europaweite Vernetzung von Impfstoff-Studienzentren. Diese Studien sollen über das neu eingerichtete, paneuropäische Forschungsnetzwerk VACCELERATE koordiniert werden, einer europaweiten Plattform zur Planung und Durchführung von klinischen Studien. Das BMBF stellte im November 2020 rund 600.000 Euro aus dem Förderprogramm „Innovationsunion Europa“ für den Aufbau dieser Plattform bereit.

VACCELERATE ist von zentraler Bedeutung für den neuen europäischen Bioabwehrplan, mit dem Wissenschaft, Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen gemeinsam alle verfügbaren Ressourcen mobilisieren, um mit den  Mutationen des neuartigen Coronavirus umgehen zu können. Unter dem Namen „HERA Incubator“ arbeiten arbeiten Forschende, Biotech-Unternehmen, Hersteller und Behörden in der EU und auch weltweit zusammenarbeiten, um neue Varianten zu erkennen. Die EU schafft mit diesem Netzwerk Anreize für die Entwicklung neuer und angepasster Impfstoffe, beschleunigt das Zulassungsverfahren für Impfstoffe und gewährleistet damit den Ausbau der Produktionskapazitäten . Denn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch in Zukunft immer neue Mutationen auftauchen werden. Daraus ergeben sich Herausforderungen beim Ausbau der Impfstoffproduktion. Ziel ist die Beschleunigung der behördlichen Zulassung von angepassten Impfstoffen: Basierend auf dem Modell des jährlichen Grippeimpfstoffs wird die EU eine beschleunigte Zulassung für angepasste COVID-19-Impfstoffe vorsehen. Langfristig wird der „HERA Incubator“ auch als Modell für die bessere Bereitschaft der EU auf Gesundheitsnotfälle dienen.

Studien zur Impfstoffverträglichkeit

Herzstück der Sofortmaßnahme zur Abwehr gegen Mutationen des neuartigen Coronavirus ist das neue Netzwerk VACCELERATE, das Europas geballte Datenpower mobilisiert: Die für eine Zulassung unumgänglichen klinischen Studien der Phase II und III, für die viele freiwillige Probanden benötigt werden, sind auf europäischer Ebene schneller und mit gleichbleibend hoher Qualität zu realisieren. VACCELERATE verbindet Studienzentren aus 16 EU-Staaten und fünf weiteren Ländern zu einem Netzwerk, in dem es möglich ist, Daten auszutauschen, Sponsoren für Forschungsvorhaben zu finden und gemeinsam klinische Studien aufzusetzen − so beispielsweise zur Verträglichkeit von Impfstoffen bei Kindern und jungen Erwachsenen. Die Plattform wird genutzt werden, um klinische Studien durchzuführen, sie dient als zentrale Anlaufstelle für alle Beteiligten – von den Gesundheitsbehörden bis zu den Entwicklern von pharmazeutischen Impfstoffen.

Fachwissen bündeln und Wissen austauschen

An der Universität Köln wird die Netzwerkarbeit von VACCELERATE koordiniert. Projektleiter ist Professor Dr. Oliver Cornely, Infektiologe, Direktor des Lehrstuhls für translationale Forschung am CECAD-Exzellenzcluster für Altersforschung und leitender Arzt am Universitätsklinikum Köln. Er bezeichnet VACCELRATE als das europäische Rückgrat für einen koordinierten Ansatz in der Impfstoffforschung. „Wir möchten Einrichtungen vernetzen, Fachwissen bündeln und den Wissensaustausch zwischen unseren derzeit 26 Partnern fördern. Unser Ziel ist es, Impfversuche unter einem strategischen wissenschaftlichen Dach in allen EU-Mitgliedstaaten und anderen EU-assoziierten Ländern zu planen und zu koordinieren“. Zum Glück wurde bereits exzellente Vorarbeit geleistet: Unter der Leitung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Uniklinik Köln ist bereits die europaweite Impfstoffstudien-Plattform EUVAP entstanden, der sich mehr als 200 Studienzentren angeschlossen haben.

Weitere Informationen in der Pressemitteilung der Europäischen Kommission.

Faktenblatt der Europäischen Kommission zum „HERA Incubator“.