Europäische Digitalisierung: Investitionen in digitale Schlüsseltechnologie

Der Europäischen Forschungsraum (EFR) gewinnt Erkenntnisse, teilt Wissen und verbessert die Welt. „Open Science“, eine frei zugängliche Wissenschaft, ist erst durch die Digitalisierung möglich geworden.

 Künstlerische Darstellung technischer Anlagen in einem Raum

Von der Telefonzelle zum Smartphone, von der Schreibmaschine zum Computer, vom Lichtschalter zum Sprachassistenten zuhause. Digitaler Wandel prägt unseren Alltag – die Art und Weise wie wir leben, arbeiten und wirtschaften. Digitalisierung steht heute für weit mehr als die Umwandlung von analogen in digitale Datenformate. Der digitale Wandel verändert auch, wie wir in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft miteinander umgehen. Die neuen Technologien eröffnen Chancen für die Wissenschaft, aber auch für die Industrie: eine bessere Datenlage, mehr Transparenz der Forschungsprozesse und neue Formen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, die ausdrücklich auch die Kooperation mit Bürgerinnen und Bürgern sowie mit Wirtschaftsunternehmen vorsieht. Neben den Vorteilen der Digitalisierung wollen auch wirtschaftliche, ökologische und soziale Risiken bedacht sein. Die klügsten Köpfe des Kontinents sorgen im Europäischen Forschungsraum für die solide Wissensbasis, die den verantwortungsvollen Umgang mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung garantiert.

Diese Dekade wird digital

 Frau auf der Straße blickt auf virtuelle Angaben zur Umgebung

Die 2020er Jahre sollen eine „digitale Dekade“ für Europa werden, in der die Menschen im Zentrum stehen, so Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission. Die Ziele bis 2030 sind klar festgelegt: schnelles Internet, digitale Kompetenzen, mehr digitale Angebote der öffentlichen Hand. Ebenfalls klar sind auch die zugrundeliegenden Prinzipien: das Recht auf Privatsphäre, auf freie Meinungsäußerung, freien Datenfluss und auf Cybersicherheit. Europa setzt auf Offenheit, Fairness, Vielfalt, Demokratie und Vertrauenwohl wissend, dass diese Werte im internationalen Vergleich nicht immer oberste Priorität haben. Der Europäische Binnenmarkt hat die Kraft, wertorientierte Standards durchzusetzen.

Die EU-Digitalstrategie hat auch das Ziel, Europa digital unabhängiger zu machen. Sie eröffnet neue Chancen für eine nachhaltige Wirtschaft und treibt die Entwicklung vertrauenswürdiger Technologien voran. Die Digitalisierung ist von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen und sie ermöglicht die Verwirklichung des ökologischen Wandels. In Deutschland setzt die Digitalstrategie der Bundesregierung den Grundstein für weitere Planungen.

Investitionen in Supercomputer

 In einem Bürogebäude aufgestellte Hochleistungsrechner

Im EU-Forschungsprogramm „Horizont Europa sind für den Zeitraum 2021-2027 gezielte EU-Investitionen in Forschung und Innovation für digitale Schlüsseltechnologien wie Nanoelektronik, Photonik, Robotik, 5G, Hochleistungsrechnen, große Datenmengen, Cloud Computing und künstliche Intelligenz vorgesehen. So ist beispielsweise die Partnerschaft für Hochleistungsrechner, EuroHPC, eine wichtige Initiative, die eine europäische Supercomputerinfrastruktur aufbaut – mehrere Milliarden Euro schwer und finanziert aus Mitteln der EU, der Mitgliedstaaten und der Wirtschaft. Im Gesundheitswesen, auch bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie, tragen Supercomputer bereits zur Suche nach Behandlungsmöglichkeiten bei, modellieren und prognostizieren die Ausbreitung von Infektionen und helfen bei der Entscheidung über Eindämmungsmaßnahmen.

Europa teilt sein Wissen großzügig

 Grafische Darstellung von über dem europäischen Kontinent verteilten Satellitensystemen.

Daten sind der Rohstoff der Digitalisierung. Die Europäische Forschungsdatencloud (EOSC) und große europäische Forschungsinfrastrukturen (ESFRI Landmarks) liefern wissenschaftliche Daten und Dienstleistungen. Internationale Forschungsgemeinschaften können die Daten nutzen – und perspektivisch wird das auch für Unternehmen und weitere interessierte Personen möglich sein. Mehr als 35 Forschungsorganisationen (Hochschulen, wissenschaftliche Gesellschaften und Gemeinschaften, Akademien) aus den Bereichen Gesundheit, Umwelt, Energie, Physik, Digitales und Soziales stellen ihr Datenmaterial zur Verfügung und sind bereit zum Austausch.

Wissenschaft, die allen frei zugänglich ist

EU und Mitgliedstaaten setzen sich für eine offene Forschung ein, die wissenschaftliche Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit verfügbar macht, das Stichwort lautet „Open Science“. Eine frei zugängliche Wissenschaft für alle ist erst durch die Digitalisierung möglich. „Open Science“ bedeutet maximale Transparenz, Reproduzierbarkeit und Wiederverwendbarkeit.  Ergebnisse von Forschungsprojekten können breitenwirksam und kostengünstig online veröffentlicht und auch gefunden werden. Daten werden geteilt und Forschungsergebnisse international diskutiert. Auch interessierte Laien sind dazu eingeladen, sich zu beteiligen – der offene Austausch und eine Vielfalt von Meinungen sind ausdrücklich erwünscht.

Programme und Initiativen

  • Die digitale Transformation steht im Mittelpunkt der Europäischen Qualifikationsagenda, die unter anderem darauf setzt, die besten Köpfe auszubilden und das lebenslange Lernen zu etablieren.
  • Der EU-Aktionsplan für digitale Bildung unterstützt Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Bildung darin, die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters voll auszuschöpfen.
  • Die Initiative der Europäischen Hochschulen knüpft Netzwerke über nationale und regionale Grenzen hinweg und schmiedet langfristige Allianzen zwischen europäischen Hochschulen. Diese werden so zu Vorreitern der Digitalisierung in Bildung und Forschung.

Weitere Informationen zum Thema Digitalisierung

  • MONIS: Vermesser im Anflug

    Mit Laser und sensibelsten Messgeräten ausgestattete Drohnen aus dem EU-Projekt MONIS scannen Baustellen und unwegsames Gelände. Sie bannen Gefahren und erleichtern die logistische Planung, wie Dr. Markus Leidinger vom Fraunhofer-Institut erläutert.