Dialog-Box statt Babel: So spricht Europa

Nicht nur Grenzen überwinden, sondern auch Sprachbarrieren. Das ist das Ziel des EFR-Projekts Dialog-Box. Mit Technologie können Menschen in unterschiedlichen Sprachen miteinander kommunizieren – und Weltraumprobleme lösen.

Dialog-Box

Universität des Saarlandes

Es klingt wie ein neuer Blockbuster: Ein Team aus Raumschiff-Technikerinnen und -Technikern sitzt im All fest und kann sich nur retten, wenn alle gemeinsam die Maschinen wieder zum Laufen bekommen. Das einzige Problem: Die Männer und Frauen sprechen nicht die gleiche Sprache. Das ist das Szenario im Computerspiel „Solar Silence“. Wer jetzt Lust bekommt, selbst eine Runde zu spielen, wird aber leider enttäuscht. Bislang erleben nur Forschende des vom europäischen Förderprogramms Eurostars unterstützten Projekts Dialog-Box das Szenario. Ein Computerspiel als Wissenschaft? Ja! Denn bei „Solar Silence“ kommt eine von einem länderübergreifenden Team entwickelte Spracherkennungs-Software zum Einsatz. Eben die Dialog-Box. Sie transformiert die Worte der Spielenden, so dass Menschen interagieren können, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen. „Es geht um Spracherkennung gekoppelt mit Sprachinteraktion“, erläutert Ronny Egeler vom deutschen Projektpartner Sikom Software GmbH. Die auf Sprachanwendungen spezialisierte Firma kooperierte für das Projekt unter anderem mit der Universität des Saarlandes, einem österreichischen Spielentwickler, einem schweizerischen Forschungsinstitut und einem österreichischen Unternehmen für Spracherkennung. „Unser Team war genauso interkulturell wie die Besetzung des Raumschiffes“, scherzt Egeler. 

Dialog-Box als Sprachraum

Deutsch, Englisch, Französisch – das sind die Muttersprachen der Projektpartner und auch die Sprachen, in denen sich die Spielenden im Raumschiff verständigen. Dort managt Bordcomputer „Uri“ die Kommunikation. Uri steht für „user recognition interface“ (Benutzererkennungsoberfläche). Aber wie funktioniert Uri bzw. die Dialog-Box genau? „Damit Dialoge in Echtzeit funktionieren, haben wir eine Art Sprachraum aufgebaut. Das ist der Kontext, indem die Unterhaltung stattfindet, in diesem Fall das Raumschiff“, so Egeler. Es geht also nie nur um ein Wort selbst, sondern immer um den Zusammenhang, in dem es verwendet wird. Für ein Gespräch in einem U-Boot oder im Krankenhaus müsste in der Dialog-Box ein eigener Sprachraum programmiert werden. Neu an dieser Spracherkennungssoftware ist die Architektur für Dialogsysteme, die das Projektteam geschaffen hat. Theoretisch ist sie immer dann anwendbar, wenn mehrere Personen in mehreren Sprachen gemeinsam ein Problem lösen müssen. „Anwendungen sind denkbar bei der Maschinensteuerung, bei der prozessbegleitenden Spracheingabe oder auch bei der Sprachverarbeitung etwa in Smart Homes“, führt Ronny Egeler aus.  

Europäische Lösungen für europäische Sprachen

Beim Projekt Dialog-Box ging es aber nicht einzig und allein um die Weiterentwicklung von Spracherkennung, Sprachsteuerung und Spracheingabe. „Allen am Projekt Beteiligten war auch die länderübergreifende Zusammenarbeit wichtig. Wir sind angetreten, europäische Lösungen für europäische Sprachen zu finden“, so Egeler. Für ihn ist Kooperation ein entscheidender Faktor des Europäischen Forschungsraumes: „Das Projekt und die Förderung durch den EFR haben uns ermöglicht, uns mit Firmen und Forschenden zu vernetzen, die an Schnittstellen zu unseren eigenen Entwicklungen arbeiten. So konnte Know-how gebündelt werden und jeder Projektpartner hat profitiert.“  

Aus Egelers Sicht ist solche Grundlagenforschung und ein Blick über den eigenen Tellerrand wichtig, um Innovationen hervorzubringen. Besonderen Mehrwert hatte für sein Unternehmen auch die Zusammenarbeit mit den Forschenden der Universität des Saarlandes. „Forschungseinrichtungen haben andere Herangehensweisen und Methodiken als Unternehmen. Das ist für uns bereichernd und ein Wissensgewinn.“ 

Das Projekt Dialog-Box lief von 2012 bis 2015 und wurde mit drei Millionen Euro im Rahmen des europäischen Förderprogramms Eurostars gefördert. Beteiligt waren Firmen und Forschungseinrichtungen aus vier Ländern: der österreichische Spieleentwickler Mi´pu´mi Games, das Forschungsinstitut Idiap und die Firma Koemi aus der Schweiz, die belgische Firma Acapela sowie die Universität des Saarlandes und die Softwarefirma Sikom aus Deutschland.