Der Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum (EFR): Innovative Wissensräume schaffen

Der Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum (EFR) würdigt exzellente Forschung. Er unterstützt die Kommunikation wissenschaftlicher Erfolge an die interessierte Öffentlichkeit und macht deutlich, wie faszinierend die Forschung ist.

 Bundesministerin Anja Karliczek und Geehrte auf der Bühne bei der Verleihung des Ralf-Dahrendorf-Preises für den Europäischen Forschungsraum

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Das begrenzte einzelstaatliche Denken bei der Entwicklung der Wissenschaft überwinden und einen wirklich einheitlichen europäischen Wissensraum schaffen, in dem sich Zusammenarbeit und Wettbewerb auf vernünftige Weise ergänzen: Mit dieser Idee legte der damalige deutsche EU-Forschungskommissar Ralf Dahrendorf in den 1970er Jahren den Grundstein für den späteren Europäischen Forschungsraum (EFR).

Es kommt auch auf die Kommunikation an

Den Namen des Gründervaters trägt deshalb auch der Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum, der erstmals 2019 vergeben wurde. Im zweijährigen Turnus würdigt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die am EU-Rahmenprogramm für Forschung teilnehmen und außergewöhnliche Erfolge erzielen. Und zwar nicht allein mit Blick auf ihre wissenschaftlichen Resultate, sondern auch hinsichtlich der Kommunikation. Wie gelingt es den Forschenden, ihre Ergebnisse so bürgernah zu vermitteln, dass auch Laien und insbesondere Schülerinnen und Schüler verstehen, worum es geht? Neben der wissenschaftlichen Expertise wird von Preisträgerinnen und Preisträgern also auch Fantasie und Kreativität verlangt.

Unkonventionelle Wissensvermittlung

  Ein Ausgezeichneter hält den Ralf-Darendorf-Preis für den Europäischen Forschunsgraum .

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Damit überzeugte etwa das HemoSpec-Team am Leibniz-Institut für Photonische Technologien mit seinen europäischen Partnerschaften. Es entwickelte ein handliches Gerät, das Blutvergiftungen (Sepsis) schneller und konkreter diagnostiziert. Das Forschungsteam wandelte buchstäblich auf den Spuren Dahrendorfs und erschloss neue Wissensräume für die Allgemeinheit in der Innenstadt von Jena. Ihre Forschung rettet Leben, denn bei einer Sepsis muss die richtige Therapie sehr schnell erfolgen. Darüber ist die Forschungsgruppe mit Menschen jeden Alters ins Gespräch gekommen. Unter anderem in einem temporären „Science-Pop-up-Shop“, in dem unkonventionelle „Lunch Lectures“ und Experimentierzonen angeboten wurden. Auch ein Wissenschaftscartoon ist entstanden, der in Kliniken, Praxen und Pendlerzügen ausgestrahlt werden kann, und langfristig für die Risiken dieser Erkrankung sensibilisiert.

Der Ralf-Dahrendorf-Preis geht an maximal sechs Projekte und ist mit einer Förderung von maximal 50.000 Euro für Wissenschaftskommunikation verbunden.

Ein Preis für die besten Köpfe Europas

Ziel ist, mit dem Förderpreis vor allem der jungen Generation die Faszination der Welt der Wissenschaft und Innovationen nahezubringen. Grundlagenforschung ermöglicht eines Tages neue Medikamente oder Impfstoffe. In der Arbeitswelt geht es um technische Revolutionen und die Sicherung von Arbeitsplätzen, etwa in der Industrie 4.0. Neue Lösungen zur Energieerzeugung helfen dabei, die Klimaziele zu erreichen. Nur wenn die besten Köpfe grenzüberschreitend zusammenarbeiten, kann Europa gesellschaftliche Herausforderungen wie Pandemien, Volkskrankheiten oder den Klimawandel meistern und zudem international wettbewerbsfähig bleiben. Für diese Zusammenarbeit ist das Europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation ein zentrales Instrument. Es unterstützt Forschende in Europa dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und Technologien frei auszutauschen – ganz im Sinne von Ralf Dahrendorf.

ZUR PERSON LORD RALF DAHRENDORF

Portrait von Ralf Dahrendorf.

Der 1929 in Hamburg geborene Ralf Dahrendorf († 2009) war von 1972 bis 1974 deutscher Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Bildung bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Ralf Dahrendorf ist ein Gründervater des Europäischen Forschungsraums und der europäischen Forschungsrahmenprogramme, in denen deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuell in mehr als 5.500 Projekten mit europäischen und internationalen Partnern zusammenarbeiten.

Ralf Dahrendorf war auch selbst Wissenschaftler: Er forschte und lehrte zu Gesellschaft und Demokratie an verschiedenen nationalen und internationalen Hochschulen, etwa als Professor an der Universität Konstanz und am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Er leitete die London School of Economics und war Rektor des St Antony‘s College an der Universität Oxford. 1988 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an und wurde 1993 – nachdem er zuvor in den Adelsstand erhoben worden war – Mitglied im britischen Oberhaus.

Ralf Dahrendorf erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, darunter das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1989), den Theodor-Heuss-Preis für sein politisches und geisteswissenschaftliches Lebenswerk (1997) sowie den international hoch angesehenen Prinz-von-Asturien-Preis im Bereich Sozialwissenschaften (2007).

Als Politiker, Wissenschaftler, als Europäer und als engagierter Demokrat ist Ralf Dahrendorf der Namensgeber für den Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum.

Weitere Informationen:

Die erste Verleihung des Ralf-Dahrendorf-Preises fand am 14. Mai 2019 bei der Konferenz zum Europäischen Forschungsraum in Berlin statt. Am 19. Oktober dieses Jahres wurde der Ralf-Dahrendorf-Preis für den EFR zum zweiten Mal ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endete am 26. Februar 2021.